Vor zwei Jahren gewann ein unbekannter Laien-Sänger die britische Casting-Show "Britain's Got Talent": Paul Potts. Mit seiner Interpretation von Nessun Dorma (Turandot) überzeugte er im Jahr 2007 Jury und Zuschauer. Bis heute begeistert Paul Potts mit weltweiten Tourneen und Aufnahmen eine treue Fangemeinde.
Und offenbar hat die Show eine gute Hand für Gesangstalente. In der 2009er Staffel gaben gleich zwei bemerkenswerte Talente ihr öffentliches Debüt: Susan Boyle und Greg Pritchard.
Susan Boyle
Der Auftritt von Susan Boyle ging um die Welt. Im Januar 2009 betritt sie die Wettbewerbsbühne als 47-jährige alte Jungfer vom Land. Die Skepsis der Jury ist mehr als unverhohlen als Susan erklärt, mit ihrem Auftritt eine Gesangskarriere starten zu wollen. Aber dann legt sie los.
Sie begeistert Jury und Publikum mit einer klaren Musicalstimme und einer Interpretation von "I Dreamed A Dream" (Les Misérables), die sich nicht hinter professionellen Sängerinnen verstecken muss. Und nach ihrem Auftritt ist ihr schrulliges, ungestyltes Aussehen und ihre direkte Ausdrucksweise schon fast zu einer Marke geworden.
Dieser erste Auftritt regte weltweit die Phantasie der Medien an. Susan Boyle bekommt positive Kommentare der amerikanischen Boulevard-Prominenz, sie wird in den Blättern rund um den Globus gepriesen, die Aufzeichnung ihres Auftritts bei youtube ist bis heute bereits wahnwitzige 24 Millionen mal angesehen worden.
Susan bleibt bei dem gesamten Rummel erstaunlich gelassen. Sie begeht dann aber einen großen Fehler: sie singt im Halbfinale das doch sehr verbrauchte "Memories" (Cats). Es liegt ihr nicht gut und sie hat auch gesanglich keinen guten Tag erwischt. Das Publikum liebt sie und wählt sie als Nummer eins ins Finale der Show. Susan hat damit beste Chancen, in die Fußstapfen Paul Pott's zu treten.
Greg Pritchard
Die englische Variante der "American Idol"-Castingshow (in Deutschland: "Das Supertalent") wartet mit einem zweiten bemerkenswerten Talent auf, mit Greg Pritchard. Auch sein Auftritt ist für eine große Überraschung gut. Der 28-jährige Greg erscheint auf der Bühne mit Wuschelfrisur, kariertem Holzfällerhemd und Lederjacke, irgendwo in einer Mischung aus Manga-Style und Rocker.
Die Jury lehnt sich zurück, erwartet wohl eine rockige Nummer. Doch Greg singt etwas anderes. Nessun Dorma. In Sopranlage. Jury und Publikum schauen lange Sekunden völlig überrascht weg und wieder zu dem jungen Mann hin. Greg Pritchard behält die Nerven und singt weiter in die Stille. Nach einer halben Minute ist dann klar: er hat alle überzeugt.
Nach dem Auftritt erklärt Greg der Jury noch kurz, dass ein männlicher Sopran nicht unbedingt ein Kastrat ist. Ein Jurymitglied gibt die Stimmung der Zuschauer sehr bildlich wieder: es wäre so ähnlich wie einen Hund zu sehen, der wie eine Katze miaut...
Greg Pritchard singt mit einer klaren, charakteristischen Stimme. Das Vibrato ist vielleicht ein wenig verbesserungsfähig. Die Höhen von Nessun Dorma erklimmt seine Stimme mit einer Leichtigkeit, die ich so noch bei keinem Altus vernommen habe. Ein höchst sehenswerter Auftritt!
Auch die 2009er-Staffel der britischen Casting-Show hat es damit wieder geschafft, diesmal gleich zwei einzigartige Stimmen und Persönlichkeiten für die Welt zu gewinnen. Ein Lob auf die Popkultur!
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